Sonntag, 27. Juli 2014

Besuch aus der großen Stadt


Montag war es, schönes Wetter, warm und angenehm und meine Freundin Chrissy kündigte sich an uns besuchen zu kommen. Sie wohnte in der nächsten großen Stadt und kam gerne mal wieder ins Harzer Vorland um die Ruhe hier zu genießen.
„Nur Rentner und Touristen und Rentnertouristen!“ schimpfte sie, nachdem sie den ersten Rundgang durch die City getan hatte. Naja. Ferienzeit, ist halt normal. Als Einwohner fällt einem das schon nicht mehr auf. Alles was jung ist, kratzt die Kurve ans Meer und alles was Meer vor der Haustür hat, will in die Berge. Da so meist die älteren Menschen denken, haben wir hier halt viele ältere Dänen, Niederländer und Schleswig-Holsteiner zu Besuch.

Baby Mimi machte gerade ihren zweiten Mittagsschlaf, als Chrissy ankam. Wir nutzten die ruhige Stunde und führten endlose Gespräche über Dinge, die mal getratscht werden mussten. Doch die Zeit rann und wir verspürten langsam einen ungnädigen Durst auf einen frischen, heißen Latte Macchiato. 15:10 zeigte die Uhr, nachdem ich zum dritten Mal ins Kinderzimmer guckte, ob Baby nun endlich mal wach wäre. Aber der Schlummer war noch tief. Da unser Kaffeedurst jedoch größer war, packten wir alle Sachen zusammen, die mit in die City mussten und ich weckte Mimi damit wir los starten konnten. Glücklicherweise wurde das mit einem freundlichen Lächeln quittiert und nicht mit lautem Gebrüll. Also war der Schlaf lang genug.
Unterwegs fiel mir ein, was ich vergessen hatte! Baby zu wickeln! Grah! Sie trug noch immer die Windel vom Morgen. An einer Parkbank schlug ich eine Wickelpause vor, da war ein Papierkorb und gerade kein Mensch in Sicht. Ich hätte natürlich auch bis dm warten können, da wäre ein Wickeltisch gewesen. Aber ratz-fatz, Hose runter, Windel weg, ab in die Tonne...
„Dein Baby pinkelt gerad in den Kinderwagen...“
Waaah! Und grinste mich an.
Wär ich mal zu dm gegangen...Also stopfte ich das komplette Kinderwageninlet in eine Tasche und polsterte es stattdessen mit einer Fleecedecke aus, die ich zufällig zum Glück noch unterm Kinderwagen mit herum fuhr. Keine Panik, man ist ja erfinderisch. Weiter gings.
Wir kamen am Cafe' an und fanden einen schönen Tisch, bestellten Eis und unseren lang erwarteten Latte Macchiato. Baby Mimi guckte interessiert aus dem Kinderwagen heraus und bekam ein Fläschchen.
„....nnnnnng!!!“
„Was macht sie denn jetzt für Geräusche?“
„Sie kackt!“
Jetzt hatten wir doch noch einen Grund, den Wickeltisch bei dm mal auszuprobieren. Aber erstmal aßen wir unser Eis auf. Baby wurde es zu langweilig, sie wollte raus. Also nahm ich sie auf den Schoß und sofort zuckte der Kopf in alle Richtungen zu jedem Nebentisch auf der Suche nach Aufmerksamkeit! Wo würde sie einen netten Menschen sehen, der sie anlachen würde?
Aha. Gegenüber saß eine Truppe Rentnertouristen.
„Ach, schau mal wie niedlich!“
Stolze Mami. Natürlich ist sie niedlich, in ihrem pinkfarbenen Body mit Aufschrift „Der Teufel trägt Pampers“. Und der dazu passenden pinkfarbenen Hose.
„Ist das ein Mädchen oder ein Junge?“
Können die das jetzt in ihrem Alter nicht mehr erkennen, ob das Kind komplett pink oder blau angezogen ist?
„Ein Mädchen.“
„ooh, wie süß. Wie alt? 6 Monate?“
„5-einhalb.“
„aaach, wie süß.“ Und Baby Mimi lacht in die frohe Runde. Aber der Klops in der Hose lachte inzwischen auch und wir mussten los.
Bei dm entschieden wir spontan Schwimmwindeln zu kaufen und am nächsten Tag schwimmen zu gehen. Das Wickeln war wirklich sehr angenehm dort, obwohl dort merkwürdige Bio-Windeln lagen, die wir noch nicht ausprobiert hatten.
Wieder draußen machten wir eine Brei-Pause, denn jetzt hatte Mimi auch Hunger und wollte ihren Nachmittäglichen Obstbrei haben.
„Ach, guck mal, wie süß!“ riefen zwei Nordic-Walkende Rentnertouristinnen mit Rucksack und Stöckelstöcken im Vorbeistapfen.
Wir brauchten noch einen Badeanzug. Auf zum shoppen! Baby lies alles freundlich über sich ergehen und auch die folgende Stunde Kaufhausgelaufe störte sie nicht. Sie kicherte sogar im Kindermodengeschäft mit Chrissy herum, während ich an der Kasse stand und den ultimativen, supersüßen Babybadeanzug in turkis mit kleinen Blümchen, reduziert auf nur 5€, erwarb!

Um 18:00 waren wir, ziemlich geschafft, wieder zu Hause. Während ich alles auspackte, eine Waschmaschine anwarf und Wasser für den Babybrei kochte, spielten Chrissy und Mimi im Wohnzimmer auf dem Boden. Herrlich!
Und Morgen würde auch wieder ein interessanter Tag werden.

Samstag, 19. Juli 2014

Breierlei


Die Zeit vergeht und wir tasteten uns langsam an die Beikost heran. Ohooohooo, großes Thema. Vor allem ein Tabuthema. Wagt es ja nicht, euch mit anderen Muttis über den Start der Beikost zu unterhalten, ihr könnt nur auf Gegenstimmen treffen. Die zwei größten Kontrahenten sind
1. die WHO-Muttis mit ihrer Einstellung volle 6 Monate zu stillen und auf keinen Fall früher mit Brei anzufangen, da der Darm noch nicht vollständig ausgebildet ist. Wie vom WHO empfohlen.
2. die Muttis, die auf den Kinderarzt hören und nach 4 Monaten anfangen mit dem ersten Brei, da der frühe Beikoststart das Allergierisiko mindern soll.
und dann gibt es noch
 3. die Muttis, die sich denken, „ich mach das wie ich denke und was ich im Gefühl hab!“

Bei uns war der Beikoststart auch ein großes Thema, denn jeder, wirklich jeder hatte einen anderen Vorschlag oder eine Geschichte, wie es früher war und super geklappt hat. Die eine Oma hat ihren Kindern schon ab dem 2. Monat Bananenbrei gegeben und alle waren glücklich. Die andere Oma hat einem Kind schon nach ein paar Wochen das erste Gläschen gegeben (im Krankenhaus von den Schwestern empfohlen, Stillen war nicht möglich). Die Hebamme plädierte auf die 6 Monate Stillzeit und die Kinderärztin schlug einen Start nach dem 4. Monat vor.

Also bekam unsere Mimi im 3. Monat das erste mal Bananenbrei zu probieren und nach dem 4. Monat führten wir den Mittagsbrei ein. Zuerst Möhre, davon bekam sie allerdings Blähungen, dann Pastinake und Kürbis. Wobei letzterer der absolute Favorit war! Nach ein paar Wochen wurde das Gemüse dann mit Kartoffel gemischt und von da an, war sie mittags wirklich satt! So wirklich! Noch nicht einmal ein paar Schlucke Muttermilch passten hinterher noch rein.

Um dann aber wieder zum Thema Möhre zurück zu kommen, denn diese kleine Rübe ist ja wirklich in fast jedem Breigemisch drin, probierte ich einen Tipp aus und kaufte Fenchel!
So ein komisches Gemüse hatte ich bisher noch nicht zubereitet und war erstmal etwas ratlos. Schnitt dann aber alles ab was überstand, den Rest in Würfel und dann ins Sieb zum Dünsten. Roch schon etwas merkwürdig, die olle Knolle.
Aber da ich natürlich im Wohnzimmer als Babyunterhalterin die Zeit vergaß und erst von einem leichten Röstaroma aufgeschreckt wurde, wurde der darauf folgende Geruch noch schlimmer. In der Küche stellte ich fest, dass das Wasser im Topf verdunstet war, der Boden angebrannt, der Fenchel geräuchert und das Sieb angeschmolzen. Fenchel wanderte in den Müll, Topf in die Spüle, Sieb in den Geschirrspüler. Aber der Geruch! Dieser grausame Geruch! Stellt euch vor, ihr hättet eine Flasche Ouzo über den Grill gekippt und würdet an den schwelenden Kohlen riechen. Brr. Baby war zum Glück gerade mit einer Eisenbahn beschäftigt und ich konnte die Fenster öffnen, Lufterfrischer versprühen, wie Rumpelstilzchen in der Küche herum springen und mich ärgern, und Herd und Topf putzen. Der schöne Fenchel. Mein schöner Plan...

2 Stunden später hatte sich der schlimmste Geruch verzogen und die Küche roch irgendwie nach Krankenhausflur, in dem gerade der Essenswagen entlang fährt. Seltsam.
Einen Tag später kaufte ich wieder eine Fenchelknolle und bereitete erfolgreich einen gedünsteten, pürierten und passierten Fenchelbrei zu. Yey!
Der dann in Kombination mit Möhre und Kartoffel nicht mehr zu Blähungen führte! Yey!

Abends starteten wir dann mit Vollkornbrei, der so dermaßen lecker war, dass es Baby Mimi nicht schnell genug gehen konnte. Nach dem Löffel schob sie sofort eine Faust in den Mund um daran zu saugen, oder zu tasten, wo der Brei hin hing, wer weiß das schon. Zudem zappelte sie mit Armen und Beinen vor Aufregung! In der Tat, dieser Brei war schon recht lecker. Und da er so lecker war, musste der Fuß auch in den Mund gucken, wo der Brei drin war. Da ich vom Möhrendesaster noch weiße Socken mit orangefarbenen Möhrenflecken hatte, gabs Brei meist Barfuß. Brei an den Händen glitscht so schön und wenn man damit dann die Füße einreibt, die dann beide am Mund herumtollen, sich mit einem Löffel Brei abwechseln, das macht schon Spaß! Der Papa weiß auch, dass er aus dem Weg gehen muss, wenn Baby mit einem Breigesicht anfängt zu niesen. Und ich habe natürlich mehr Wäsche, einen größeren Verbrauch an Küchentüchern und erfolgreiche Fleck-durch-Sonne-bleichen Erfahrungen gesammelt.

Samstag, 28. Juni 2014

Bettenstress und Maurerdekolletee



2 Tage, Hundert Stress!
So kann man das mal ausdrücken, was im Hause Comorph los war. Wochenlang passierte rein gar nichts. Tage gingen vorbei, geschmückt mit Ausflügen zu Edeka und dm, Nächte kamen und gingen, jetzt mit Baby mehr oder weniger durchgeschlafen. Eher weniger.
Damit der wenige Schlaf besser wird, hat Frau Comorph einfach mal ein neues Bett bestellt. Dazu zwei neue Lattenroste, zwei Matratzen und einen Topper. Letzteres stellt man sich nett auf einem Muffin als bunten Perlen vor, ist auf Betten aber super bequem.
Natürlich haben die Teile unterschiedliche Lieferzeiten und 2 Wochen lang standen super tolle Matratzen unbenutzt in der Ecke und wurden jeden Abend mit Gieraugen angestiert.
Das dann auch alles mal wieder an nur zwei Tagen stattfinden muss, war ja klar. Man hat sich in der langen Zeit des Nichtstuns etwas Aufregung gewünscht. Menschen, Gespräche, Eindrücke, Aufgaben...
Die kamen dann.
Freitag:
- Bett und Topper wurde geliefert.
Der Hermes Versand beschäftigt inzwischen Super Elitemöbelträger, die unter ihrem Blaumann ein kraftverstärkendes Exoskelett aus Aluminiumstahl tragen. Anders konnte sich Frau Comorph nicht erklären, wie der Mann alleine ein Paket in den 4. Stock tragen konnte, dass sie nicht mal zu zweit verrücken konnten!
- Impftermin beim Kinderarzt
Sofort nach Verabschieden der Möbelmenschen wurde sich in Klamotte geworfen und zum Kinderarzt gehetzt, denn Baby Mimi bekam mal wieder zwei Spritzen mit Antiseren gegen diverse Kinderkrankheiten. Der Schrei des Babys trieb den Eltern die Tränen in die Augen! Wie kann man nur so grausam sein und Babys mit Spritzen piksen müssen. Zur Belohnung kauften sie hinterher Kürbisbrei. Mmmmh... oder so ähnlich.
- Aufbauen des Bettes
Innerhalb von anderthalb Stunden, wohlgemerkt, weil der Captain dann zur Arbeit musste. Selbstverständlich, aber so was von ultra-selbstverständlich, war die Aufbauanleitung nur von erfahrenen Kryptologen zu lesen. Hauptsache unter jedem Punkt befand sich ein „Daumen hoch“- Zeichen.
Beispiel Bild: Schrauben Sie 4 schmale Bretter auf die Rückseite des Bettes. Vermuten Sie, die Willkür der Position. Benutzen Sie unterschiedliche Anzahlen an Schrauben. Das letzte Brett hält von alleine. Daumen hoch!
- Baby Mimi bekommt Kürbisbrei
Warum nach einer halben Stunde der Kürbisbrei überall klebte, egal ob auf den Klamotten von Baby, Frau Comoph, dem Lätzchen, Sofa, Spucktuch, Tisch und Kater muss nicht wirklich geschildert werden.
- Regale zusammenbauen
Die passenden Nachtschränke in Regalform wollte Frau Comorph selber zusammen bauen. Erstaunlicherweise war dieses sogar sehr einfach, trotz Anwesenheit von Baby, welches zwischen Schrauben, Dübeln und Brettern auf dem Boden herumrollte.
- Fertigstellen des Bettes
Gegen 21:30 kam der Captain von der Arbeit und konnte das Bett an die Wand und Lattenroste, Matratzen und Topper zu einem Schlafplatz kombinieren.
Zum Glück konnten anschließend alle in das wohlverdiente Bettchen schlüpfen.

Samstag:
Früh aufstehen, da viel zu erledigen! Zudem wacht Baby sowieso gegen 8:00 morgens auf, passt also super zusammen.
Ausnahmsweise schlief Baby bis 9:15, was Frau Comorph, verpennt seit Tagen, besonders ärgerte.
9:20 lag Baby nackt in der Badewanne und wollte geduscht werden.
9:21 klingelten die Waschmaschinenhandwerker.
Super Timing. Handwerker wurden eingelassen und in die Küche dirigiert, danach konnte sich Frau Comorph um das nackte Würmchen kümmern, das fröhlich auf der Badewannenmatte herumkugelte und die gnubsige Oberfläche super interessant fand. Schnell abgeduscht, abgetrocknet, angezogen und die Handwerker beobachtet. Ein tiefgeschnittenes Mauerdekolletee ließ Frau Comorph schaudern. War doch das letzte Mal, der Meister schon mit seinem Azubi da, der ebenfalls einen Breitarschgrinser dabei hatte. Dessen Unterhose war allerdings nicht von Jack&Jones. Hatten Handwerker generell eine Abneigung gegen Gürtel oder Hosenträger? Würde Frau Comorph dadurch einen Rabatt wegen Erregung Kücheninternen Ärgernisses bekommen?
Waschmaschine repariert. 

Als nächstes kündigte sich der Käufer des alten Bettes an.
Frau Comorph aufgeputscht von zwei Tassen Tee, wuschelte putzend und aufräumend durch die Wohnung. Im Schlafzimmer lag noch Werkzeug, in der Küche klebte Handwerkerblut an der Spülmaschine (ja, die beißt!), Babyklamotten lagen verteilt und irgendwie hatte sie seit 4 Jahren die Dunstabzugshaube nicht abgewischt. Dafür aber herausgefunden, dass die Kombination von Scheuermilch und Ceranfeldkratzer sich dafür optimal eignet. Hätte in dem Moment der Postbote geklingelt, er wäre vermutlich vor dem wilden Putzwahnblick geflüchtet.
Bettentyp kam, holte Bett und bedankte sich mit Maurerdekolletee. Was war nur mit den Männer los? Haben die auch alle zu viel Stress und dadurch abgenommen, dass die Hosen nicht mehr passen? Oder hatte Frau Comorph in ihrer Abgeschiedenen Elternzeit einen aktuellen Modetrend verpasst?
Als nächstes stand Einkaufen auf der Liste, wobei Frau Comorph noch einen Abstecher in die entgegengesetzte Richtung machte um sich von ihrer vorletzten Freundin im Ort zu verabschieden. Sie zog mit Mann nach Berlin und bekam noch ein paar gute Wünsche und Knuddler mit auf den Weg. War selber total im Umzugsstress und hatte das Chaos um sich versammelt.

Tja.. irgendwann wäre Frau Comorph alleine mit Mann und Kind und würde täglich nur noch mit Mann und Kind zu tun haben. Und den Kassentanten von Edeka. Ein wenig deprimiert besuchte Frau Comorph letztgenannte und eilte dann zu ihren Eltern zum Kaffee.
Gehetzt, verschwitzt, todmüde, wahnsinnig erschöpft und kaffeedurstig kam sie dort an. Glücklicherweise benahm sich Baby Mimi wie der Mond. Still, alles beobachtend, rund und zufrieden.
Nach einer weiteren Dosis Koffein war Frau Comorph schon wieder aufgekratzt und erzählte Mimi's Großeltern von dem Stress der letzten 48h. Doch Baby war schon bald sehr müde und wollte nach Hause. Dort legten sich beide aufs Sofa und genossen das süße Nichtstun! Herrlich.
Jedoch schlafen konnte nur einer von beiden...

Dienstag, 24. Juni 2014

Dienstag, 24. Juni



Draußen regnet es, es ist kalt und überhaupt lädt das Wetter ein, sich ganz tief in den Kuscheldecken auf dem Bett zu verkriechen.
Es ist 15:40 und ich sitze am PC.
Ausnahmsweise hat mein Baby heute auch einen gemütlichen Schlaftag und schläft seit über einer halben Stunde. Gähn!
Bedröppelt schiebe ich auf dem Laptop Bildschirm Möhrchen und Erdbeeren hin und her um mir die Zeit zu vertreiben. Ist das aber auch wieder langweilig!
Ich mache eine Liste von Dingen, die ich heute noch erledigen sollte, bevor mein Mann nach Hause kommt:
- Abwaschen
- Aufräumen
- Tisch abwischen (wääh, Frühstückskrümel)
- Staubsaugen
- Wäsche abnehmen
- Schlafen
- die neue Gesichtsmaske ausprobieren
- Lesen
- Tee trinken

Ich gehe in die Küche und koche Wasser um mir einen Tee aufzubrühen, immerhin mal ein Anfang. Und damit da auch ein Fitzelchen Sinn dran ist, werfe ich einen Beutel Stilltee in die Tasse. Draußen fängt es an zu Gewittern! uäääh!
Irgendwie hab ich das Gefühl, dass die Wolken, die gerade nach links gezogen sind, schon wieder nach rechts ziehen. Womöglich um das gesamte Gebiet hier komplett zu durchnässen. Na, gut, dass ich nicht mehr raus muss heute.
Ich werfe den Teebeutel in die Spüle, muss ja eh später abwaschen und Faulheit siegt. Schlurfe wieder zum Sofa. Laptop ist noch an. Mal gucken, was es Neues auf Facebook gibt. Nichts. Hmpf.
Auf dem Tisch stapelt sich der Krempel mal wieder. Ich lege das Nageletui zurück in den Schrank, dabei fällt mir ein, dass ich dem Baby noch einen Nagel schneiden wollte, der mich heute Morgen gekratzt hat. Also leg ich es wieder auf den Tisch.
Hmm... Amazon. Ich könnte mal schauen, ob ein neuer Thriller raus gekommen ist.

16:00
Erledigte Dinge von meiner Liste: 2.
mmmh, Stilltee ist auch irgendwie lecker. Aber jetzt mag ich doch lieber noch einen Cappuccino trinken. In der Küche krümel ich mit dem Pulver herum, was aber nicht weiter schlimm ist, da ich ja eh noch staubsaugen muss.
Mmmmh, Cappuccino ist noch viel besser. Ich glaub da waren auch noch ein paar Kekse im Schrank.
Kekskrümel auf den Boden gewischt. Mampf!
Normalerweise mache ich Sportübungen, wenn Baby Mimi schläft. Aber da ich gestern erst beim Sport war, darf ich heute Kekse essen. Ein paar. Man solls ja nicht übertreiben.

Mistwetter!
16:15
Kekse sind alle. Cappuccino ist alle. Stilltee ist alle. Unordnung auf dem Tisch wuchs um 2 Tassen und eine Kekstüte an. Habe aber 2 neue Bücher bestellt.
oh, da gnault jemand.
Schnuller in den Mund gesteckt, alles wieder gut. Vielleicht lege ich mich einfach mal kurz dazu. Mir ist kalt und Mimi ist so schön warm....wie verwerflich ist es wohl, sich an seinem Baby zu wärmen...?
17:10
!!! Flatsch, eine nasse Hand greift nach meiner Nase.
ach mist...


Donnerstag, 19. Juni 2014

Waldspaziergang


In „der Zeit davor“ waren wir oft wandern. Jedes Wochenende, an dem es nicht regnete oder einer von uns arbeiten musste, waren wir im Harz unterwegs. Wir waren auf so vielen Bergen, an so vielen Talsperren, Seen, Flüssen, Burgen, Felsen und Sümpfen, dass man kaum noch weiß, wo man alles noch nicht war.
Und dann kam das Baby.
Es wurde Frühling und dann Sommer. Ich sah jeden Tag aus dem Fenster, sehnsüchtig zu den Bergen hin und dachte daran, wie schön das ist, dort zu spazieren. Wenn die Sonne warm auf die Nadelbäume scheint, die dann so toll duften. Der Fingerhut und die Brombeerbüsche an den Seiten. Käfer, Vögel, Rehe und was man an Tieren dort alles entdecken kann. Allein das Geräusch der knirschenden Kiesel unter den Schuhen, wenn man sich mal wieder mit Keuchen und Schwitzen einen steilen Berg hoch kämpft.
Aber wir hatten jetzt eine Manduca! Mit dem Kinderwagen in den Harz zu fahren wäre mehr als fatal. Ich sah im Geiste das Rattern des Kinderkopfes im Wagen, während man einen Schotterweg hinabfuhr. Über Wurzeln und Tannenzapfen. Kawumm! Schüttel, schüttel, schüttel.
Ich hatte also die Idee in den Wald zu fahren, Baby in die Manduca zu stopfen und wir würden ganz gemütlich im Sonnenschein den Weg entlang spazieren, Hand in Hand und uns über das schöne Wetter und die Bäume und die Blumen und die Käfer freuen.
Wir packten alles ein, was man so braucht, was in unserem Falle einen großen Rucksack füllte: Windeln, Wickelunterlage, Feuchttücher, Babyjacke, Taschentücher, Wasserflasche, Picknickdecke, Handy und Portmonee, ach und sonst was. Ich war froh, dass mein Mann den Rucksack trug!
Unsere kleine Mimi wurde noch gestillt, dann setzten wir sie in den Kindersitz und fuhren los. Am Parkplatz angekommen war sie schon fast eingedöst. Es war Mittagschlafzeit und ich hatte den Plan vor Augen, dass sie in der Manduca ein Schläfchen macht.
Wir gingen los. Die Sonne schien warm auf uns herab, die Vögel sangen, überall war es grün und Blumen standen zwischen den Büschen am Wegesrand. Mistkäfer krabbelten über den Weg und große haarige Raupen hatten es ebenfalls eilig an ihr uns unbekanntes Ziel zu krabbeln.
Baby Mimi fand alles hochinteressant. Überall gab es was zu gucken, ob man den Kopf nach rechts drehte oder nach links. Doch nach 20 Minuten wurde sie unruhig. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, sie beschäftigte sich mit folgendem Problem: „Ich weiß nicht, ob ich in dieser sitzenden Position schlafen kann.“
Was sich so äußerte:
„ääähäääähääää!“
„Schau mal. so viele Bäume!“
„Määhää!“
„Und die Vögel singen.“
„Uaaahaa!“
„Die Sonne scheint.“
„Gnnnnnäää!“
„Da ist ein Blümchen.“
„Gäääähää!“
„Der Papa ist auch da.“
„äähäääaaaahhaaa * gähn *“
Was sich über einen längeren Zeitraum hinzog und sich potentiell zu Wegstrecke und Dauer auch in der Lautstärke steigerte.
Bis es uns zu blöd wurde und wir umdrehten. Ich kam auf die Idee einen Manducaträger abzuschnallen, wodurch sich Babys Position in Richtung Brust verändern lassen konnte, was uns Augenblicklich Ruhe brachte.
„GÄÄÄHÄÄÄ--- * gnub* …..“
Den Rest des Weges zurück zum Parkplatz hatten wir Ruhe und konnten das Rauschen der Bäume und das Singen der Vögel genießen. Hand in Hand zog mein Mann mich voran. Mit letzter Kraft kam ich am Auto an. Nehmt am besten einen Rucksack, füllt ihn mit 7kg Sand und tragt ihn vor dem Bauch. Dann wisst ihr, warum. Länger hätte unsere erste gemeinsame Wanderung nicht sein dürfen.
Aber ich konnte mal wieder den Wald riechen!
Am Auto war Baby natürlich wieder wach. Wir beschlossen noch einen leckeren Kaffee trinken zu gehen, in einem mehr oder weniger beliebten Schnellrestaurant. Dort bekam Mimi ein kleines Papierfähnchen geschenkt mit dem sie sich die Zeit vertrieb bis wir ausgetrunken hatten. Papierfähnchen sehen toll aus, lassen sich am Stiel festhalten und man kann versuchen, das Bild mit dem Mund zu fangen. Was gar nicht so einfach ist. Wenn man das dann geschafft hat, probiert man beide Seiten, ob sie unterschiedlich schmecken und beginnt dann mit der Vernichtung des Fähnchens. Papier macht beim Zerreißen lustige Geräusche und Papierstückchen können ebenfalls nochmal probiert werden, ob sie nun anders schmecken.
Zu Hause wurde aber erstmal geschlafen! So viel Neues gesehen, gehört und gerochen von der Welt!

Mittwoch, 11. Juni 2014

Gute Nacht Lied

Schuhu, schuhu ruft die Eule im Wald,
sie ist ganz grau und auch schon alt.
Sie kennt jeden Baum und die Berge,
Jeden Gnom und auch die Zwerge

Schuhu, schuhu ruft die Eule im Baum
denn letzte Nacht hatte sie einen Traum.
Sie flog über all ihre Wälder
über die Stadt und die Felder.

Schuhu, schuhu ruft die Eule hinaus
"noch heut verlass ich mein zu Haus!"
Sie schüttelt die Federn ganz leise
fliegt los und geht auf die Reise!

Donnerstag, 29. Mai 2014

Gute Nacht


Es ist 22:50 und gerade eben ist meine Tochter eingeschlafen. Vorerst. Normalerweise wacht sie nach dem Einschlafen noch 1-3mal auf und muss wieder in einer langwierigen Prozedur in den Schlaf gebracht werden.
Kinder wollen nicht schlafen.

Wenn man mich fragt, ist es so dass ich müde werde, auf die Uhr sehe, sehe dass es langsam Zeit wird ins Bett zu gehen und ich gehe ins Bett. Dort freue ich mich, dass ich im Bett liege und mich einkuscheln kann. Ich freue mich darauf etwas Schönes zu träumen und dann wieder aufzuwachen, manchmal wach ich auf und merke, dass ich noch träume, was ebenfalls interessant ist. Man wird ruhig und entspannt und hat einen erholsamen Schlaf.
So. Was also ist daran so schlimm, dass Kinder sich so weigern abends einzuschlafen.

Tagsüber ist meine Tochter auch müde, das darf sie in ihrem zarten Alter von knapp 4 Monaten auch. Eben noch wach, schwupp sind die Augen zu und der Schlaf ist da. Gar nicht schlimm.
Aber abends dauert das. Die Müdigkeit ist da, man sieht es an den zufallenden Augen. Sie ist satt, zufrieden, frisch gewickelt, müde und eigentlich könnte da dann ein Schläfchen vorbei kommen. Ich lege sie in mein Bett (da ich inzwischen schon damit rechnen kann, die nächste halbe Stunde daneben zu verbringen), drücke sie, erzähle ihr was schönes, drücke den Schnuller in den Mund, drücke einen Knutscher auf ihre Wummelwangen und drücke die Daumen, dass der Schlaf den Raum betritt, wenn ich ihn verlassen habe.
Also verlasse ich das Schlafzimmer, höre noch ein empörtes Nuckeln, und schleiche ins Wohnzimmer, wo meist noch die Krimiserie läuft, deren spannenden Wendepunkt ich mal wieder verpasst habe.
Knapp 5 Minuten später werde ich von einer Sirene zurück ins Schlafzimmer gerufen.
„ÄäääääÄÄÄÄääÄÄÄÄÄäääääÄÄÄÄääääÄää!“
Vollkommen außer sich, strampelt der Säugling wutentbrannt in meinen Laken! Wie kann ich also auch annehmen, dass sie von alleine einschläft. Also gebe ich mal wieder auf, verzichte auf die Lösung des Mordfalles im TV und lege mich zum Stillen darnieder mit entblößter Brust und versuche nicht einzuschlafen. Denn nichts ist schlimmer als voll bekleidet nach einer Stunde Tiefschlaf von seinem Mann geweckt zu werden, der irgendwie auch noch in dem Bett Platz finden möchte, in dem wir zwei Weiber uns Quergelegt haben. In dieser Zeit habe ich dann viel Zeit über den Schlaf, das Kind und den Sinn des ganzen nachzudenken.
Wenn man ein älteres Kind fragen würde, warum es denn nicht schlafen möchte, würde es antworten: „Weiß ich nicht. Ich will nicht!“
Ich erinnere mich noch selber dran, dass ich als Kind ebenfalls nicht einschlafen wollte. Meine Mutter erzählt heute noch gerne, wie oft sie gesungen und was sie nicht alles für Geschichten erzählen musste. Auch mein Bruder konnte nicht anders einschlafen. Und sobald sie das Zimmer verlassen hatte, musste man unbedingt noch ein paar Mal „Mama!“ rufen, weil noch irgendwas ist. „Ich möchte noch was trinken.“ oder „Ich muss noch mal aufs Klo.“ oder „Da war ein Geräusch...“
Man findet also auch als Kind in einem Alter, in dem man geistig an Gesprächen teilnehmen kann, immer noch Gründe, nicht schlafen zu wollen. Aber kann sie nicht erklären!
Wann also springt der Sinneswandel an? Ist das auch so ein Pubertätsding?
„Wie, du willst abends noch nicht schlafen? Du Baby! Ich freue mich jeden Tag drauf schlafen zu gehen!“ hmm.
Oder liegt es an einer Urangst des Kindes, während der Nacht zu sterben?
„Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt“ heißt es in einem Gute Nacht Lied. Wissen die Babys vom Plötzlichen Kindstod und fürchten sich tatsächlich davor, nicht mehr aufzuwachen, sollten sie abends einschlafen?
Schließlich geht es jeder Mutti so, dass sie Abend für Abend 5x so viel Zeit damit verbringt, ihr Kind zu Bett zu bringen, als sich selber. Zumindest die Pädagogen, Psychologen und ähnliche Denker, die über das Thema Bücher schrieben und Beratungen führen, verdienen sich daran eine goldene Nase. Sie bieten Lösungen, die theoretisch logisch und durchführbar oder merkwürdig und seltsam klingen, aber alle im Grunde kein Schlaf für das freudig strampelnde Würmchen bringen. Ich für meinen Teil nehme mir vor, meine Tochter später zu fragen und genau zu interviewen, woran es liegt, dass sie nicht schlafen will und hoffe, irgendwann vielleicht eine Erklärung für dieses Problem zu bekommen. Und damit dann Anerkennung? Nobel Preis? Weltherrschaft? Königin aller Mütter...?

So. Und jetzt muss ich wieder ins Schlafzimmer. Baby ist aufgewacht.